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Präoperative Risikoevaluation
Episode 66
Friday, 24 July, 2026
„Kannst du eben mal eine Prämed machen?" — diesen Satz kennt jede und jeder von uns. Doch was steckt eigentlich hinter dem kleinen Kreuz, das wir auf jedem Narkoseprotokoll setzen? In dieser Folge nehmen Johanna und Ingmar die präoperative Risikoevaluation auseinander: das Feld, das trocken klingt und beim näheren Hinsehen erstaunlich spannend wird. Der Aufhänger ist ein realer Fall: ein sportlicher 62-Jähriger, der täglich 40 Kilometer Fahrrad fährt und ab Kilometer 35 zunehmend Luftnot bekommt — hinter der sich eine mehrgefäßige koronare Herzkrankheit verbirgt. Zwei erfahrene Kolleg:innen, zwei Einschätzungen: ASA 2 oder ASA 3? Genau an dieser Kontroverse entlang entwickeln wir, warum die Klasse am Ende weniger zählt als das perioperative Risiko dahinter. Wir sprechen bewusst nicht über Prämedikation im engeren Sinn (welches Medikament an- oder abgesetzt wird), sondern über die relevanten Patienten- und Eingriffsfaktoren, mit denen sich Morbidität und Mortalität abschätzen lassen. Konkret geht es um: - ASA-Klassifikation — Herkunft (ursprünglich ein Qualitätssicherungs-Instrument!), Nutzen, Subjektivität und Grenzen; warum sie den Eingriff komplett ausklammert. - Revised Cardiac Risk Index (RCRI / Lee-Index) — die sechs einfachen Ja/Nein-Faktoren und wie schnell man an der kritischen 1-%-Schwelle für kardiale Ereignisse ist. - Biomarker & moderne Ergänzungen — NT-proBNP als Verfeinerung der Vorhersage, plus die Grenzen eines über 25 Jahre alten Index. - Chirurgische Risikoscores — Surgical Risk Scale, POSSUM/P-POSSUM und der amerikanische MICA-Kalkulator. - Pulmonales Risiko — der ARISCAT-Score und warum Routine-Lungenfunktion selten hilft. - Frailty — Clinical Frailty Scale, Fried-Phänotyp, Edmonton Frail Scale: Warum Gebrechlichkeit oft mehr sagt als das kalendarische Alter. - METs & funktionelle Kapazität — was hinter der berühmten „Schwelle von 4 METs" steckt und warum unsere Selbsteinschätzung der Patient:innen so ungenau ist. - Spezielle Patientengruppen — ältere und multimorbide Patient:innen (kognitive Reserve, Delir), onkologische Patient:innen (Anämie, Prähabilitation) und Kinder (ASA pädiatrisch, PRAM-Score). - Organisation, Ressourcen & Ökonomie — Prozessmanagement, Intensivbett-Planung, die Rolle der Anästhesie als „Perioperative Physician" und die haftungs- und abrechnungsrelevante Bedeutung der OP-Freigabe. Am Ende steht keine starre Handlungsanweisung — die gibt es bei so patientenindividuellen Fragen auch nicht —, sondern ein klarer Gedanke: Eine gute Risikoevaluation spannt ein Netz aus Anamnese, Untersuchung und gezielt eingesetzten Scores, um Risiko sauber zu definieren. Erst dann können wir im interdisziplinären Team fundiert entscheiden, wie wir mit diesem Risiko umgehen. Hinweis: Diese Folge ersetzt keine Leitlinie und keine individuelle klinische Entscheidung. Scores sind Werkzeuge, kein Ersatz für Anamnese, Untersuchung und klinisches Urteil. hier gehts zum [Feedback und EFN-Formular](https://forms.gle/uFpbYdDPcut7CQQr6) Achtung: Fortbildungspunkte können nur innerhalb von 4 Wochen nach Veröffentlichung der Episode beantragt werden. Eine nachträgliche Meldung ist bei der Ärztekammer leider nicht möglich.










