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Delegation braucht Digitalisierung: Wie Physician Assistants die Hausarztpraxis verändern – Prof. Wolfgang von Meißner
Friday, 6 November, 2026
Digitalisierung allein entlastet die Hausarztpraxis nicht. Und auch Delegation allein reicht nicht aus. Erst beides zusammen ermöglicht es, Patientinnen und Patienten zur richtigen Zeit beim richtig qualifizierten Behandler zu versorgen. Physician Assistants können dabei zunehmend auch komplexe Patientinnen und Patienten begleiten – wenn Zuständigkeiten, digitale Prozesse und ärztliche Verantwortung klar geregelt sind. Darüber spricht EinBlick-Redakteur Christoph Nitz mit Prof. Wolfgang C. G. von Meißner. Er ist Facharzt für Anästhesiologie und Allgemeinmedizin und arbeitet bei den Hausärzten am Spritzenhaus in Baiersbronn. Seit 2023 ist er Professor für Physician Assistance an der CBS University of Applied Sciences in Köln. Im Hausärztinnen- und Hausärzteverband Baden-Württemberg ist er kooptiertes Vorstandsmitglied für Digitalisierung. Beim dritten Kongress der Physician Assistants in Wuppertal sprach er über Delegation und Digitalisierung. Die Themen der Folge: – Delegation und Digitalisierung zusammendenken: Wenn jede digitalisierte Aufgabe am Ende doch beim Arzt landet, ist nichts gewonnen. Von Meißner fordert klare Zuständigkeiten und eine Governance für die Zusammenarbeit von Ärztinnen und Ärzten, Physician Assistants und weiteren Mitarbeitenden. – Asynchron statt immer gleichzeitig: Chat, Bilder und Videosequenzen ermöglichen es, Behandlungsfälle schrittweise im Team vorzubereiten. Ärztinnen und Ärzte müssen dann dort entscheiden, wo ihre Kompetenz tatsächlich erforderlich ist. – Digitalisierung Ende-zu-Ende: Ein digitalisiertes Telefonat allein spart noch keine Arbeit. Aus einem Anliegen muss direkt die nächste Handlung entstehen – etwa die Vorbereitung eines Rezepts oder einer Überweisung. Nur wenn Prozesse für Patientinnen und Patienten und das Praxisteam einfacher und schneller werden, bringt Digitalisierung einen echten Nutzen. – Die digitalste Praxis Deutschlands: In Freudenstadt planen die Hausärzte am Spritzenhaus eine neue Praxis. Die bereits digitalisierten Abläufe in Baiersbronn sollen bis zum Start weiter optimiert werden. Der Anspruch: mit einer besonders weitgehend digitalisierten Praxis zu starten. – Kann Delegation den Ärztemangel auffangen? Die Praxis in Baiersbronn hat Daten für die Potenzialanalyse der Bertelsmann Stiftung geliefert. Von Meißners Fazit: Wenn Praxen konsequent in Digitalisierung und Delegation investieren, lässt sich die Patientenversorgung auch unter den Bedingungen des demografischen Wandels aufrechterhalten – allerdings wird sie anders organisiert sein. – Das Berufsgesetz für Physician Assistants: Von Meißner fordert einen regulierten Beruf mit einheitlicher Prüfung und Prüfungsordnung. Hinzukommen müssen klare Regeln für die Berufsausübung und den Delegationsrahmen sowie Weiterentwicklungsmöglichkeiten durch Masterstudiengänge und verbindliche Fortbildung. – Patientensteuerung in ärztlicher Hand: Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband arbeitet an einer Plattform für die Vermittlung zwischen Haus- und Fachärzten. Hausarztpraxen kennen Krankengeschichte, Laborwerte und Lebensumfeld ihrer Patientinnen und Patienten und können deshalb die Ersteinschätzung übernehmen und bei Bedarf gezielt fachärztliche Expertise hinzuziehen. Wolfgang C. G. von Meißner: »Der richtige Patient muss zur richtigen Zeit, in der richtigen Ebene, beim richtig qualifizierten Behandler sein.« Seine Überzeugung: Die Herausforderungen der künftigen Versorgung sind zu bewältigen – wenn Digitalisierung, Delegation und klare Verantwortlichkeiten gemeinsam gedacht werden.












